FREIHAUS 2021-9: Hyperloop – Fortschritt nicht ausbremsen

Technischer Fortschritt und Innovationen sind entscheidend für das Gelingen der Verkehrswende und im Kampf gegen den Klimawandel. Warum die Bundesregierung von neuen Technologien nichts wissen will, lesen Sie hier.



Niedersachsen ist ein Mobilitätsland. Dabei geht es längst nicht nur um das Auto. Denn als Standort für Forschung und Entwicklung war gerade auch meine Heimat, das Emsland, an der Erforschung anderer Technologien beteiligt. So wurde in Lathen lange Zeit der Transrapid getestet. Ein folgenschwerer Unfall im Jahr 2006 sorgte jedoch dafür, dass der Bund 2010 aus der Förderung moderner schienengebundener Technologien ausstieg. Und während modernste Magnet-Schwebezüge mit Höchstgeschwindigkeit schon lange durch China rasen, wurden entsprechende Projekte in Deutschland eingestellt. Zurück blieb lediglich die imposante Versuchsanlage – die Transrapid Versuchsanlage Emsland, kurz TVE.


Wie alle Sektoren befindet sich auch der Verkehrssektor in einem stetigen Wandel. Der technische Fortschritt und Innovationen erschließen dabei immer neue Transportformen. Zu diesen gehört auch der Hyperloop. Hierbei bewegt sich ein Zug bzw. eine Kapsel in einem Vakuum fort. Durch den fehlenden Luftwiderstand sind Geschwindigkeiten von über 1.000 km/h denkbar. Ich bin davon überzeugt: Der Hyperloop hat enormes Potential. Und mit der TVE haben wir im Emsland einen Ort, an dem hierzu bereits geforscht wird. Denn nach den Plänen der Hochschule Emden/Leer und der Universität Oldenburg soll die Strecke für ein Schallgeschwindigkeitszentrum reaktiviert werden. Ziel ist die Etablierung eines europäischen Hyperloop-Forschungs- und Technologiezentrums zur Erforschung der Mobilität der Zukunft.


Das Projekt im Emsland wird bereits vom niedersächsischen Wissenschaftsministerium gefördert. Aus diesem Grund wollte ich von der Bundesregierung wissen, inwieweit sie die Forschung und Entwicklung unterstützt. Das Ergebnis ist ernüchternd. Denn aus der Antwort der Bundesregierung auf meine erste Kleine Anfrage geht hervor, dass in ganz Deutschland keine Projekte zur Forschung an Hyperloops unterstützt werden. Das ist in meinen Augen absolut unverständlich und muss sich dringend ändern, damit Deutschland im internationalen Vergleich nicht abgehängt wird.


Denn dass der Hyperloop keine irrwitzige Spinnerei und die Forschung hieran im Emsland kein Hirngespinst ist, zeigt sich in meinen Augen alleine schon am chinesischen Engagement. So hat der chinesische Staatskonzern China Railway Rolling Stock (CRRC) Interesse an der Nutzung der TVE bekundet. Neben China ist aber auch ein europäischer Nachbar aktiv beim Thema Hyperloop. So soll in der Nähe von Groningen in den Niederlanden ein europäisches Hyperloop-Zentrums entstehen. Doch auch hiervon will die Bundesregierung nichts wissen. Vielmehr wird auf meine weitere Nachfrage hierzu geantwortet, dass man über das Interesse Chinas keine Kenntnis habe. Das Bundesverkehrsministerium macht zudem sehr deutlich, dass keine Förderung von Hyperloop-Projekten geplant ist, da die bestehende Schienenverkehrsinfrastruktur Vorrang habe.


Als Freier Demokrat bin ich davon überzeugt, dass technische Innovationen die Grundalge für nachhaltigen Wohlstand in Deutschland bilden. Die derart blockierende Position der Bundesregierung in Bezug auf die Hyperloop-Forschung lehne ich daher ausdrücklich ab. Denn besonders oberirdisch könnten durch den Hyperloop auf lange Sicht nicht nur Kosten und Treibhausgase gespart sowie Transportzeiten verkürzt werden. Vielmehr könnten auch pulsierende europäische Wirtschaftszentren miteinander verbunden werden. Als Niedersachse und Emsländer stamme ich aus der Mitte Europas und bin daher stolz, dass unsere Region mit gutem Beispiel bei der Forschung vorangeht. Ich werde mich deshalb auch weiterhin gemeinsam mit den Freien Demokraten dafür einsetzen, dass der Hyperloop als Bestandteil der Verkehrswende erforscht wird.


Die Antworten auf meine Kleinen Anfragen finden Sie hier und hier. Weitere Hintergründe zum Hyperloop Development Program aus den Niederlanden finden Sie hier.